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Rohernährung? Wieso das denn?

 

Sie interessieren sich für eine gute Ernährung ihres Hundes und/oder ihrer Katze?

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind ein verantwortungsbewusster, moderner Tierhalter!

 

Eine Möglichkeit, Tiere angemessen zu ernähren, ist die Rohfütterung, auch "barfen" genannt.

 

 

Viele Tierhalter kommen leider erst auf die Rohfütterung, wenn Krankheiten bei ihren Tieren diagnostiziert wurden, bei denen man Bestandteile des Fertigfutters als (Mit-)Ursache vermutet und dieses demnach als Nahrung nicht mehr in Frage kommt.

 

Hier finden Sie zunächst eine kleine Einführung in die Thematik:

 

"Barfen"- was soll das denn sein?


Der Begriff Barfen..bedeutet soviel wie:

Biologische Artgerechte Roh Fütterung oder:
Bones And Raw Food

Barfen heißt, sich darum zu bemühen, die Ernährung der Tiere so naturnah und artgerecht wie möglich zu gestalten. Allerdings bedeutet es auch nicht, einfach rohes Fleisch in die Näpfe zu geben.

Barfen ist aber auch keineswegs eine hochkomplizierte Wissenschaft, in die man sich jahrelang einarbeiten muss, wenn man seinen Tieren Mangelerscheinungen ersparen möchte.

Es gibt auch nicht DAS Barfen. Man kann ab und zu mal ein paar Häppchen Rohfleisch füttern (zum Beispiel für die Zahnhygiene) oder seine Tiere zu 100% roh ernähren. Da gibt es große Unterschiede.

Kleines Barfen: Es gilt die Faustregel, dass bei Rohfütterung, die bis zu 20% der Ernährung ausmacht, nicht supplementiert, also nachträglich ergänzt werden muss. (Nähere Erläuterung zum supplementieren siehe unten.) 20% bedeutet bei einer ausgewachsenen, durchschnittlichen Katze etwa 200g pro Woche.

Grosses Barfen: Will man über 20 % roh füttern, sollte man sich sehr ausgiebig mit dem Thema Supplemente beschäftigen. Das wirkt auf den ersten und zweiten Blick sehr kompliziert. Auf den dritten Blick kapiert man es langsam.
Will man Risiken vermeiden, kommt man leider nicht drum herum: Im Fleisch, das wir beim Metzger oder im Supermarkt kaufen, ist nämlich leider nicht alles, was unsere Katzen und Hunde zum Leben brauchen. Die meisten industriellen Dosenfutter enthalten solche Zusätze. Daher ist eine Supplementierung auch erst bei einer Rohfuttermenge nötig, die mehr als 20 % der Ernährung des Tieres ausmacht.

Pro BARF:
" Die Verdauung unserer Katzen und Hunde ist auf rohes Fleisch (Beutetiere) ausgelegt.
" Viele wichtige Inhaltsstoffe gehen durch die industrielle Fertigung und das Erhitzen kaputt oder sind schlechter verwertbar für die Tiere.
" Man weiß relativ genau, was in dem Futter drin ist, das man seinen Tieren anbietet.
" Man kann auf individuelle Besonderheiten der Tiere beim Futter eingehen (z.B. Allergien).
" Durch das Kauen der rohen Fleischstücke werden die Zähne der Tiere auf natürliche Art gepflegt. Zahnstein und Zahnfleischentzündungen wird somit vorgebeugt.
" Die Verdauung der Tiere pendelt sich auf ein natürliches Maß ein. Kotabsatz wird meist seltener und weniger, weil weniger "Müll" entsorgt werden muss.
" Es ist einfach ein toller Anblick, wenn die Tiere sich über ein saftiges rohes Stück Fleisch hermachen und man spart sich das Eintrittsgeld für den Zoo & Raubtierfütterung hat man zuhause.

Contra Barf:
" Es ist etwas aufwendiger als Dosenfutter. Man muss einkaufen, Fleisch evtl.klein schneiden, portionsweise abfüllen und einfrieren. Jeden Tag eine Portion auftauen und falls man mehr als 20% barft - die Supplemente hinzufügen.
" Es kann etwas teurer sein als Dosenfutter, aber wenn man mit den so genannten High-Premium-Futtern vergleicht und möglicherweise eine Kühltruhe hat und Sonderangebote beim Metzger en gros kaufen kann, kommt man sogar deutlich günstiger weg, als mit Fertigfutter. Die Kosten pro Tag und 5-Kilo Tier liegen etwa bei 0,50 Euro - 1,50 Euro (Bioqualität bei 100% Barfen).
" Anfangs kostet es etwas Zeit und Geduld, wenn man mehr als 20% Barfen will, denn man muss ein paar Dinge lernen und sich anlesen.
" Noch ein Kostenfaktor: Für mehr als 20% Rohfütterung muss man sich die Supplemente anschaffen und eventuell auch noch ein paar Haushaltsgeräte oder Werkzeuge (scharfes Messer, Brettchen, evtl. Fleischwolf, Plastikdosen zum Einfrieren).
" Viel Geduld braucht man zu Anfang möglicherweise auch, um den Tieren das Rohfleisch schmackhaft zu machen. Viele Tiere halten rohes Fleisch einfach nicht für genießbar und würden uns Dosis (oder Ex-Dosis) am liebsten zum Psychiater schicken, wenn wir stolz das erste rohe Fleisch servieren.

Ein paar wesentliche Grundlagen:

Was füttert man denn so?

Fleisch: Man kann im Prinzip jedes Fleisch roh verfüttern. Grundsätzlich ist jedoch von Schweinefleisch abzuraten, da es Erreger der so genannten Pseudotollwut (Aujetzkysche Krankheit) enthalten kann, die für den Menschen unschädlich, für Katzen und Hunde aber tödlich ist.

Knochen dürfen auch verfüttert werden, aber niemals gekocht oder gegart, da sie sonst splittern. (Vorsicht beim Auftauen in der Mikrowelle: Knochen garen dabei punktuell!) Knochen wohldosiert einsetzen und immer zusammen mit reichlich frischem Fleisch.

Hühnerflügel oder -hälse sind sehr beliebt als Knochensnack. Aber: Bitte Vorsicht bei Tieren, die beim Fressen gerne mal schlingen! Bei komplett verschlungenen Knochenstücken kann schon mal eine Notfallbehandlung fällig werden! (Das ist eher selten, aber möglich)
Zudem enthalten Knochen neben vielen anderen Stoffen viel Calzium. Das ist sehr wichtig und fehlt, wenn man nur Fleisch ohne Knochen füttert, aber man kann es gut supplementieren (z.B. durch gemahlene Eierschalen). Fleischige Knochenteile wie Hälse und Flügel sollten nicht mehr als 20-30% des Gesamtfutters ausmachen, denn sonst kommt es zu Calzium-Überversorgung und die führt zu Verstopfung bis hin zu Knochenkot und langfristig zu Nierenschäden.

Fisch kann man bis zu 2 Mal pro Woche geben, er wird auch roh sehr gern genommen. Durch Einfrieren vor dem Verzehr sterben die meisten Parasiten im Fischfleisch ab. (Katzen und Hunde können sich fast nicht mit Salmonellen infizieren. Ihre Verdauungssäfte töten diese recht zuverlässig ab und die Verdauung an sich geht schnell, so dass die Salmonellen keine Zeit haben, sich niederzulassen.)

Obst und Gemüse: Neben Fleisch besteht ein Anteil der Nahrung aus von püriertem Gemüse und Obst. Im Hundefutter dürfen 20-50% daraus bestehen, Katzen brauchen es nicht oder nur wenig als Ballaststoff. In der Natur fressen Katzen ja auch z.B. den Mageninhalt von Mäusen, der dann im Endeffekt auch zur Nährstoffversorgung beiträgt. Dieser beträgt allerdings etwa 5%.

 

Getreide, Reis und Kartoffeln machen in der Regel weder im Hunde- noch im Katzenfutter Sinn.

Was ist denn "Supplementierung"?
In einem Stück Frischfleisch vom Metzger sind eine Menge guter Inhaltsstoffe. Leider aber nicht all das, was frisch gefangene Beutetiere so alles enthalten. Deshalb muss man supplementieren, also bestimmte Stoffe in bestimmter Menge zusetzen. Kurz erklärt:
Wasser, Eisen und Salz fehlen, weil das Fleisch kein Blut enthält.
Vitamine und Mineralstoffe fehlen, weil das Fleisch nicht frisch ist.
Fett fehlt, wenn man fettarmes Fleisch füttert

Die Aminosäure Taurin fehlt im Katzenfutter, weil die Maus das Landtier mit dem höchsten Tauringehalt ist.
Ballaststoffe fehlen, weil der Mageninhalt der Tiere selten beim Metzger mitverkauft wird.
Calzium fehlt, wenn man nicht etwa 20-30% fleischige Knochenteile füttert.

Typische Mythen über das barfen:

"Die Tiere erkranken an Salmonellen"
Die Verdauung von Katzen und Hunden ist auf die Verarbeitung von rohem Fleisch ausgelegt. Der Verdauungsvorgang ist kürzer und konzentrierter als bei gekochter Nahrung, daher haben Salmonellen keine Zeit, sich häuslich niederzulassen. Die Magensäure einer gesunden Katze kommt locker mit Salmonellen klar. Nur kranke oder geschwächte Tiere können Probleme mit Salmonellen bekommen, aber auch das nur, wenn sie wirklich ziemlich altes Fleisch fressen würden.

"Die Tiere bekommen schlimme Mangelerscheinungen, weil man das Futter nicht so gut hinkriegt, wie die Industrie"
Man kann beim großen Barfen einiges falsch machen. Das kann genauso schlimme Folgen haben, wie einseitige Ernährung mit minderwertigem Industriefutter. Deshalb ist es wichtig ein wenig Bescheid zu wissen über Calzium, Taurin, Eisen, Wasser, Fett, Salz, Mineralstoffe und Vitamine. Das kann man alles lernen und es ist gar nicht so schwer. Immerhin kann man dann sein Futter genau berechnen und weiß, was man seinem Tier füttert. Dadurch, dass man sich damit etwas eingehender beschäftigt, lernt man nebenbei auch Tierfutteretiketten zu lesen und dann mag man oft den Tieren kein Industriefutter mehr geben.

"Die Tiere stecken sich am Fleisch der Futtertiere mit allen möglichen Krankheiten an."

Es gibt tatsächlich Krankheiten und Parasiten, die auf diesem Weg übertragbar sind. Da kann man aber auch Vorsorge treffen: Würmer und ihre Eier werden durch Einfrieren abgetötet. Füttert man Fleisch, das für den menschlichen Verzehr vorgesehen ist, ist die Gefahr sowieso sehr gering. Die Pseudotollwut ist vom Schweinefleisch auf Haustiere übertragbar. Zwar ist Deutschland angeblich frei von dieser Seuche, aber wer kann schon sicher sein, woher sein Schweinefleisch wirklich stammt? Es wird daher allgemein von der Fütterung von Schweinefleisch abgeraten. Es gibt so viele andere Fleischsorten, die man gefahrlos füttern kann. Auch die Fütterung industrieller Katzenfutter ist keineswegs immer risikolos.

"Ich kenne jemanden, dessen Katze/Hund ist an einem Knochen erstickt"

Wahrscheinlich an einem gegarten Knochen. Geflügelknochen sind elastisch, solange sie roh sind. Rohe Knochen sind sehr gut, weil sie neben dem wichtigen Calzium noch weitere Mineralstoffe enthalten. Hühnerflügel und Hälse werden von vielen Katzen gut angenommen und gerne geknackt. Man sollte aber niemals gegarte Knochen füttern. Diese sind spröde und es entstehen gefährliche Knochensplitter. Achtung: Auch beim Auftauen in der Mikrowelle können Knochen punktuell garen! Selten gibt es Tiere, die rohe Knochen schlingen statt zu kauen. Diese Tiere sollten auch keine rohen Knochen bekommen. Es ist aber kein Problem zu barfen ohne Knochen zu füttern. Calcium kann durch viele andere Supplemente ersetzt werden.

 

Lassen Sie sich nicht von überholten Mythen abschrecken!

 

Moderne Haustierhaltung ist nicht irgendein Hobby, denn es geht um die freiwillig übernommene Verantwortung für ein lebendes Wesen. Sich mit dessen Bedürfnissen auseinanderzusetzen und sie möglichst gut zu erfüllen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Am Beispiel Ernährung sehen sie gerade, wie schwierig es ist, sich auf neue Denkweisen einzulassen. Wir sind es nicht gewohnt, über die Ernährung unserer Haustiere so nachzudenken, das haben wir uns einige Jahrzehnte lang von der Futtermittelindustrie abnehmen lassen und die hat gute Geschäfte damit gemacht.

Nehmen wir das wieder in unsere Hand.

 

Lassen Sie sich Zeit. Aber lassen sie ruhig heute Mittag mal in der Küche "versehentlich" ein Stück rohes Fleisch fallen (KEIN Schwein!) und schauen sie, was ihre Tiere damit machen.

Viel Spaß bis dahin wünscht Ihnen

Kirsten Cordes

 

 


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